Sonne ahoi!

Geschlagene fünf Milliarden Jahre lang hatte die Sonne tagein, tagaus ernst und zuverlässig ihre Arbeit verrichtet, weil das halt ihr Beruf war, doch dann stach sie der Hafer, und sie wurde übermütig. Zunächst fiel es kaum jemandem auf, dass sie leichte Schlangenlinien zog, aber als sie in einem weiten Zickzack über den Himmel wanderte, auch mal für ein paar Stunden stehen blieb, sogar rückwärts lief und am nächsten Tag erst ein paar Stunden später mit einem Knall im Norden aufging, hatten nur die schlimmsten Stubenhocker und natürlich die Smartphonenutzer noch immer nichts gemerkt, sondern erst, als die Sonne sich neugierig herabsenkte, wie ein Gummiball durchs Land hopste, lachend durch die Straßen der Großstadt rollte, mit einem Plopp aus Schornsteinen sprang, Treppenhäuser herunterkullerte und – nein, auch dann nicht.

 

 

Servus, Mond!

Anfangs hatte der Mond missbilligend zugesehen, wie die Sonne ihre Pflichten vernachlässigte und einfach tat, was sie wollte, auch mal im Westen aufging oder mit lautem Brummen ihre Bahn zog. Aber irgendwann hatte es ihn angesteckt. Noch wusste er nicht, wozu er die meiste Lust hatte, blieb erst mal zwei Tage aus, obwohl nach dem Kalender keineswegs Neumond war, und als er wieder am Firmament erschien, war er viereckig. Nach und nach aber packte ihn die Abenteuerlust, er hüpfte kreuz und quer über das Firmament, blies sich riesengroß auf oder machte sich stecknadelkopfklein, fuhr zur Erde nieder, strich durch nächtliche Wälder und neckte Liebespaare in den Auen, indem er plötzlich an ihnen vorbeikugelte. Oder er erschreckte die Nachtschwärmer, wenn sie spät heimkehrten, indem er ihnen im Flur entgegenrollte. Na ja, der Alkohol!

 

 

Hey, Erde!

Lange genug hatte die Erde der Sonne und dem Mond beim Herumalbern zugeschaut, und endlich begriff sie. Zögerlich noch, wackelte sie erst mal ein bisschen, und als ihr das gefiel, schlug sie mutig einen Purzelbaum und gleich noch einen. Dann hielt sie abrupt an und schüttelte sich. Die meisten Menschen merkten davon nichts, weil sie mit ihrem Smartphone beschäftigt waren, und fragten sich erst am nächsten Morgen unter der Dusche, wo die blauen Flecken herkamen. Die Erde aber ging stiften, besuchte Mars und Jupiter, streunte durch den Keupergürtel, wo sie mit den herumschwirrenden Gesteinsbrocken Fußball spielte, sagte noch weiter hinten Gott guten Tag und kehrte schließlich zurück, als sie den einsamen, verlassenen Mond klagen hörte. Von alledem hatte kaum jemand etwas mitbekommen, die Erde hatte ja keine Fotos gepostet.

 

Peter Köhler

 


 


Krisen

 

Jede Krise die zieht Kreise.

Viele Kreise kriseln heftig.

Führungskrisen beispielsweise

stören Merkels Kreise kräftig.

 

In den kranken Kickerkreisen

kriselt auch der Jogi-Riese.

Und die Krux beim Zugverreisen?

Diese krasse Triebkopf-Krise.

 

Kreiseln Krisen durchs Gelände,

kriselt’s auch in den Parteien.

Kraftlos krebsen Kreisverbände,

kriegen Kahlschlag in Karteien.

 

Eurokrise, Abgaskrise,

Kirchen kriseln gar dreifaltig.

Und am Himmel kreist die fiese

Klimakrise, regenhaltig.

 

Ach, im Kriseln all der Kreise

spür auch ich der Krisen Wellen:

auf dem Konto, und ganz leise

kriselt’s auch im  Potenziellen.

 

Selbst im Flusse dieser Zeilen    

zieh‘n die Kriselsteine Kreise.

Und ich spür beim Worte feilen

unvermittelt eine überaus

starke Reim- und  Rhythmuskrise.

 

Klaus Pawlowski

 

 

 

 

Pofalla, halt's Maul!​

Auf den Bäumen hoch zu leben,​
hat's als Beispiel längst geben.​
Wer Calvino las, weiß schon:​
Lebenslang tat's sein Baron.​

Und auch Tobie Lolness hatte​
seinen Lebensraum am Blatte,​
widerstand dem Herrn der Säfte​
dank sehr zwergenhafter Kräfte.​

Mögen diese Buchgestalten​
allen helfen durchzuhalten,​
die derzeit in Wipfeln wohnen,​
um den Waldesrest zu schonen.​

Und auch jenen, die auf Pirsch​
untertags wie Kalle Wirsch​
gegen drohendes Zertrümmern​
sich ums Wohl der Wurzeln kümmern.​

Jetzt erst recht, wo ins Getöse​
vieler Sägen noch das Böse,​
das Pofalla, seine Pläne​
kundtat als der Fürst der Späne.​

Seine Fresse dort zu sehen,​
muss im Kampf beim Widerstehen​
jedermann mit gutem Herzen​
bis in die Organe schmerzen.​

Wer erlaubt dem Gnom der Gleise,​
zu bestimmen, dass die Reise​
noch Jahrzehnte ungerührt​
pflügend in die Tiefe führt?​

Warum hat man Kommissionen​,
wenn da solche Pfeifen thronen​,
die als Waldschrat noch so eben​
einem Rehbock Deckung geben?​

Zieht denn diese Näsellippe​
hierzulande jede Strippe?​
Muss er sich auch noch die Kohlen​
aus der armen Landschaft holen?​

Lukas, hilf und hol die Lok!​
Bind den Kerl mit einem Pflock​
hinten an die Emma dran –​
und spiel Schwäb'sche Eisenbahn!​

Wird er störrisch, nimm den Stock​
wie bei jedem Ziegenbock!​

Reinhard Umbach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 Köhler

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

Peter